Hamburg – #Dasschaffstduauch

Die Vereine Mwagni und Elikia e.V. möchten mit der digitalen Kampagne #Dasschaffstduauch die öffentliche Darstellung und Wahrnehmung schwarzer Frauen positiv beeinflussen.

Um unser Ziel zu erreichen, haben sich beide Vereine mit zehn (10) Frauen aus verschiedenen persönlichen und beruflichen Hintergründen zusammengeschlossen.

Die weitreichende Sichtbarkeit Kampagne läuft vom 22. November bis zum 22. Dezember 2021.

Die Frau des Tages

Unsere heutige Botschafterin ist Stephanie Salami. Nach einer Ausbildung als Kauffrau im Groß- und Außenhandel und einem Marketing Fachwirt arbeitet sie als Marketing Managerin bei einem Handelsunternehmen in Hamburg.

Glaube an Dich und finde dadurch Deinen Weg.

Interview mit Frau Stephanie Salami

Stellen Sie sich vor

Ich heiße Stephanie Salami und bin 35 Jahre alt. Mein Vater ist Nigerianer und meine Mutter ist Deutsche. Aktuell arbeite als Marketing Managerin bei einem Handelsunternehmen in Hamburg.

Was machen Sie beruflich?

Wie gesagt, arbeite ich im Marketing. Ich bin insbesondere verantwortlich für den Online-Bereich, u.a. für den Aufbau und die Betreuung unserer Online-Kommunikation zum Beispiel auf Social Media, unseren Websites wie auch für diverse digitale Projekte, zum Beispiel unsere Loyalty App.

Warum haben Sie sich für diesen beruflichen Werdegang entschieden?

Während der Schulzeit hatte ich, wie wahrscheinlich viele Jugendliche, zunächst viele verschiedene Wünsche in Hinblick auf meine berufliche Zukunft und mir war auch nicht klar, dass ich einmal als Marketing Managerin arbeiten würde.

Nach meiner Ausbildung als Kauffrau im Groß- und Außenhandel, habe ich zunächst im Einkauf gearbeitet. Anschließend bin ich zu meiner jetzigen Firma ins Category Management gewechselt, wo ich mitverantwortlich für den Food-Bereich war.

Nach vier Jahren wurde ich befördert und wechselte ins Brand-Management. Ich war unter anderem zuständig für unsere Eigenmarken, die ich in Zusammenarbeit mit Agenturen weiterentwickelt habe. Außerdem habe ich dort an der Kreation neuer Marken mitgewirkt.

Da sich zunehmend Aufgaben im Brand-Management und Marketing überschnitten und mein Interesse und meine Freude für diesen Bereich geweckt war, bot sich ein Wechsel ins Marketing an. Seit 2017 arbeite ich nun als Marketing Managerin und habe zwischenzeitlich meinen Fachwirt im Marketing erfolgreich absolviert.

Wie kam es zu Ihrer Beförderung?

Ich denke, dass es daran lag, dass ich meine Arbeit immer gut, gewissenhaft und verlässlich erledigt habe. Die Position wurde aufgrund einer Schwangerschaft frei, weshalb die Stelle neu ausgeschrieben wurde. Als man mich dann fragte, ob ich die Position gerne hätte, habe ich das Angebot mit Freude angenommen.

Was waren Ihre größten Herausforderungen als schwarze Frau im Hinblick auf Ihren beruflichen Werdegang?

Ich muss ehrlich sagen, ich habe als schwarze Frau keine Nachteile erlebt und bin Gott dafür wirklich sehr dankbar. Vielleicht hatte ich einfach Glück im Leben und mir sind solche Erlebnisse bisher in meinem beruflichen Werdegang erspart geblieben.

Wenn ich solche negativen Erfahrungen von anderen mitbekomme, tut es mir schrecklich leid. Ich kann nicht nachvollziehen, warum wir dieses Problem nach so langer Zeit immer noch in unserer Gesellschaft haben.

Welche 3 Tipps würden Sie jungen schwarzen Mädchen geben?

Ich habe, um ehrlich zu sein, nur einen Tipp: Glaube an dich und finde dadurch deinen Weg. Als ich neu ins Marketing gewechselt bin, habe ich mich zu Beginn etwas „klein“ gefühlt. Dadurch habe ich mir anfangs nicht alles zugetraut und dachte mir oft, dass die anderen es besser wissen oder können. Nach vier Jahren und einem Marketing Fachwirt weiß ich aber, dass dem nicht so ist und meine Selbstzweifel unbegründet waren.

#Dasschaffstduauch – Tag 4

Heute stellen wir Tina Hausen-Hoffmann vor.

„Trau Dich nach Hilfe und Unterstützung zu fragen! „.

Interview mit Frau Tina Hausen – Hoffmann

Können Sie sich in wenigen Worten vorstellen?

Mein Name ist Tina Hausen–Hoffmann. Ich bin kongolesisch, deutsch – kolumbianischer Abstammung und wurde in Kinshasa geboren. Dort bin ich bis zu meinem achten Lebensjahr aufgewachsen. In dieser Zeit habe ich von der Kraft starker schwarzer Frauen profitiert. „Diese haben mich wie eine Pflanze gut gedeihen lassen und mich mit sehr viel Stärke großgezogen“. Ich bin verheiratet und Mutter einer jungen Frau. Die Werte, die mir vorgelebt wurden, gebe ich an sie weiter. Mein beruflicher Werdegang begann mit meiner ersten Ausbildung zur Industriekauffrau. Zusätzlich habe ich mich zur IHK-Fremdsprachen-Korrespondentin Englisch zertifizieren lassen. Danach habe ich meine Bachelor Qualifikation im Bereich Wirtschaft nachgeholt. Aktuell bin ich in den letzten Zügen meines Master-Studiums in Logistik-Management & Consulting.

Warum haben Sie sich damals für diesen beruflichen Werdegang, angefangen als Industriekauffrau bis hin zur Fremdsprachen-Korrespondentin, entschieden?

Ich sehe mich selbst eher als eine kreative Person. Doch mein Vater war immer mein Vorbild, hat seit fast fünfzig Jahren ein eigenes Unternehmen, und ich bin quasi durch ihn in diese Sparte reingerutscht. So stand ich immer zwischen zwei Stühlen. Auf der einen Seite diese natürliche Kreativität, die viele schwarze Frauen haben. Sei’s das man gerne malt, tanzt oder eine Entertainerin ist – ich glaube, das haben wir einfach im Blut. Der andere Aspekt ist die starke wirtschaftliche Seite, die mich durch meinen Vater geprägt hat. Ich habe mich damals nicht aus vollem Herzen für die Wirtschaft entschieden, aber heute profitiere ich davon, meine Kreativität mit Betriebswirtschaftlichen kombinieren zu können. Wenn man seinem Herzen folgt, kommen wundervolle Sachen zustande.

Was waren denn Ihre Herausforderungen in Bezug auf Ihren beruflichen Werdegang gerade als schwarze Frau?

Ich bin 1990 zusammen mit meiner Schwester nach Deutschland gekommen. Damals gab es nicht sehr viele schwarze Menschen in Bremen aber die wenigen die es gab, waren vernetzt und kannten sich. In meiner Schulzeit gab es fünf schwarze an der ganzen Schule, in meiner Ausbildungszeit war ich die einzige schwarze Person und zu Anfang meiner Zeit bei der Lufthansa Technik in Hamburg konnte ich sie an einer Hand abzählen. Damals fühlte ich mich schon öfters mal deplatziert.

Sie haben ein eigenes Unternehmen, wie heißt es und für was steht es?

Mein Unternehmen heißt Skills Lab UG. Unser Produkt „Skillab“ ist eine digitale Plattform im Bereich des B2B. Mit Hilfe von Skillab können sich Mitarbeiter*Innen eines Unternehmens auf Grundlage ihrer Fähigkeiten und Erfahrungen vernetzen, beispielsweise für Projekte oder Expertengruppen. Neben der Belegschaft profitiert auch das Management eines Unternehmens, weil so eine neue Art von Mobilität geschaffen wird. Durch die Pandemie haben Unternehmen gemerkt, dass es nicht immer nötig oder möglich ist extern nach Experten zu gucken. Stattdessen können Unternehmen mit Skillab vorhandene Ressourcen aus dem internen Mitarbeiter*Innen Pool nutzen.

Sie waren ja vor einigen Jahren für längere Zeit in der USA. Haben Sie einen Unterschied zur Arbeitswelt hier in Deutschland bemerkt, gerade auch als schwarze Frau?

Ja, ich war sehr überrascht, wie gut mir die Zeit in den USA getan hat. Bevor ich dorthin ging, habe ich immer gesagt, das Land sei gar nichts für mich mit all den Themen wie soziale Ungerechtigkeiten und Rassismus. Als ich dann dort war, habe ich sehr schnell Akzeptanz erfahren und ich bin nicht mehr nur aufgrund meiner Hautfarbe aufgefallen. Wenn ich gefragt wurde, wo ich herkomme, war das nicht ablehnend gemeint, sondern interessiert. In den USA habe ich sehr viel gelernt in Bezug auf Karriere. Dort ergreifen viele „Woman of Color“ Berufe wie Ärztinnen, Lehrerinnen oder sind Managerinnen in großen Corporations. Meine eigene Ärztin in den USA war eine schwarze Frau. Diese vorbildlichen Umstände zu sehen, hat mich inspiriert und mir Hoffnung gegeben. Das wünsche ich mir auch für Deutschland. Mit #Dasschaffstduauch zeigen wir, es gibt uns schon. Jetzt ist es an der Zeit, dass mehr schwarze Frauen trauen sich zu zeigen, zu Vorbildern werden und hoffentlich somit starke Netzwerke in der Community entstehen.

Hatten Sie Mentor*Innen?

Ich habe spät gelernt, nach Hilfe zu fragen und hatte als junge Frau nur meinen Adoptivvater als Mentoren. Aus diesem Grund bin ich heute selber gerne Mentorin.

Sie haben vorhin auch von ihrer Tochter gesprochen. Welche 3 Tipps würden Sie jungen schwarzen Mädchen mitgeben?

Ich möchte gerne drei Tipps an junge Mädchen, aber auch an deren Mütter geben. Es geht dabei um Werte die man von zu Hause her mitbekommt. Die jungen Mädchen von heute sind schließlich die Mütter von morgen.

Es ist unglaublich wichtig, unseren Kindern eine gewisse Stärke von Haus aus mitzugeben. Wir sind nicht mehr die Generation, die zum Beispiel Probleme mit der Sprache hat. Heute wissen wir, dass es möglich ist in zwei Kulturen zu leben. Auf der einen Seite ist die Kultur der Eltern, die man beibehalten und weitergeben möchte und andererseits die Erfahrung der Integration. Viele junge schwarze Menschen waren noch nie im Land ihrer Vorfahren, fühlen sich eher als Deutsche, haben mit der Kultur und dem Land ihrer Großeltern kaum noch Berührungspunkte. Einige sind komplett „angekommen“, andere kämpfen noch mit Themen wie Rassismus und Akzeptanz. Aber wenn von zu Hause aus, der Samen der Akzeptanz und der Stärke schon gesetzt ist, können all die anderen Themen, die von außen kommen viel einfacher angegangen werden. Ich sage meiner Tochter regelmäßig, dass sie stark ist und alles machen kann, wenn sie gewillt ist, dafür zu arbeiten. Denn Faulheit kann auch ein Hindernis sein (lächelt).

Ein anderes großes Problem ist, dass wir oft nicht um Hilfe oder Rat fragen. Mit dem Wissen immer doppelt so hart arbeiten zu müssen, bleibt das oft auf der Strecke. Ich habe beim Aufbau meiner Firma viel um Hilfe bitten müssen und habe nur gute Erfahrungen gemacht. Oftmals bekomme ich auf Anfragen hin ein JA als Antwort. Daher ist mein zweiter Rat, dass sich junge Mädchen öfters trauen sollten um Unterstützung zu bitten. Fragen kostet nichts und viele Menschen wollen helfen.

Der dritte Rat ist eventuell der schwierigste. Auch wenn wir aufgrund unserer Hautfarbe anders gesehen und eventuell sogar anders behandelt werden, müssen wir versuchen fokussiert zu bleiben und uns nicht durch andere von unseren Zielen ablenken zu lassen. In dieser Situation vergleiche ich mich immer mit einem Betriebssystem. Wenn 25 % meiner Kapazität mit diesen negativen Gedanken beschäftigt ist, sind das 25 % die ich nicht für etwas positives nutze.

#Dasschaffstduauch – Tag 3

Unsere Vorbilder*in für den heutigen Tag ist die Deutsch-Nigerianerin Ngozi Odenigbo, Ärztin, Aktivistin und mitgründerin der Vereinen Black in Medecine und Our journey Beyond.

„Nimm Dir was Du möchtest und lasse Dich nicht von anderen definieren“.

Interview mit Frau Ngozi Odenigbo

Stellen Sie sich gerne in ein paar Worten vor.

Ich heiße Ngozi Odenigbo und bin 42 Jahre alt. Ich bin Deutsch – Nigerianerin, lebe seit 2016 in Hamburg. Ich bin Ärztin und befinde mich im Moment in der Weiterbildung zur Fachärztin für Allgemeinmedizin. Nebenbei habe ich zwei Vereine mitgegründet, zum einen Our journey Beyond, dieser Verein ist für Schwarze Frauen und Kinder in Hamburg. Der zweite Verein heißt Black in Medicine, das ist ein Verein für Schwarze Mediziner*innen im deutschsprachigen Raum. Seit einigen Woche bin ich auch Mitglied des Hamburger Integrationsbeirats.

Wieso haben Sie sich für diesen beruflichen Werdegang entschieden?

Ärztin zu werden war mein allererster Berufswunsch, ich wollte schon als Kind Ärztin werden.

Letztendlich habe ich viele verschiedene Sachen ausprobiert und bin erst viel später zum ursprünglichen Wunsch, Medizin zu studieren, zurückgekehrt. Ich bin sehr dankbar für diesen Beruf, da ich die Auseinandersetzung mit dem Menschen auf so vielseitige Art und Weise sehr spannend finde.

Was waren ihre größten Herausforderungen?

Die Menge, die gelernt werden muss, war eine sehr große Herausforderung. Bis zum Physikum war der Druck immens hoch, in der Zeit ist es wichtig nicht den roten Faden zu verlieren. Einige hörten auch vor dem Physikum auf, weil der Stress sehr groß war. Doch wenn man die erste große Prüfung hinter sich gebracht hat, ist das wie eine Feuertaufe.

Hatten Sie Mentoren?

Nee leider gar nicht. Ich krieg das jetzt mit durch „Black in Medicine“ das einige von den Schwarzen Student*innen Mentor*Innen haben, und wir wollen selbst ein Mentoringprogramm auf die Beine stellen. Aber ich selbst hatte keinen offiziellen Mentor oder Mentorin. Meine Mutter war allerdings immer für mich da, die selbst Ärztin ist. Mit ihr konnte ich mich immer austauschen.

Was sind Ihre persönlichen Ziele?

Ich habe mich bewusst für die Allgemeinmedizin entschieden, da die Tätigkeit als Hausärztin in einer Praxis mit geregelten Arbeitszeiten und das Muttersein sich sehr gut miteinander vereinbaren lassen. Ich habe die Möglichkeit ohne Nachtdienste oder viele Überstunden zu arbeiten. Inhaltlich möchte ich mich in der Medizin mit marginalisierten Gruppen auseinandersetzen. Aus diesem Gedanken heraus ist unter anderem auch „Black in Medicine“ entstanden. Es ist wichtig, dass Schwarze Perspektiven in der Medizin aufgezeigt werden. Außerdem muss sich angeschaut werden ob und wie Schwarze Menschen in der Medizin in den unterschiedlichsten Kontexten vertreten sind, sei es in der Lehre an den Universitäten oder auch im Kontext Arbeitswelt, Patient*innenversorgung.

Was lernen Studierende über Schwarze Menschen? Wie lassen sich bestimmte Krankheiten auf schwarzer Haut erkennen? An diesen Beispielen wird klar, dass es gar keine Repräsentation gibt. Auch für die Arbeitswelt ist es wichtig, mit Empowerment Workshops Ärzt*Innen und Schwarze Personen aus anderen Gesundheitsberufen zu stärken. Wir bewegen uns oft in mehrheitlich weißen Räumen, die oft hierarchisch strukturiert sind. Hier können viel von Rassismus betroffene Menschen sich oft isoliert fühlen.

Welche 3 Tipps würden Sie jungen Schwarzen Mädchen mitgeben?

Es ist wichtig sich auszutauschen, mit Menschen, die den gleichen Weg gehen. Ich selbst hatte eine gute Freundin, Darling Dafinone, Mitbegründerin von „Black in Medicine“, mit der ich im Laufe des Studiums, aber auch nachdem ich anfing zu arbeiten, in ständigem Austausch darüber war, was wir so an der Universität erleben oder auch bei der Arbeit.

Des Weiteren ist mir Zielstrebigkeit und sich dabei trotzdem Pausen zu nehmen sehr wichtig. Es macht nicht glücklicher das Studium gestresst und in der Regelstudienzeit durch zu ziehen. Die Zeit rennt uns nicht weg. Es ist wichtig mit sich zufrieden und ausgeglichen zu bleiben.

Der letzte Tipp ist, sich nicht von anderen definieren zu lassen. Mir gegenüber reagieren einige Menschen überrascht, wenn ich ihnen sage, dass ich Ärztin bin. Es scheint nicht in ihre stereotypen Vorstellungen dessen zu passen, wie eine Ärztin auszusehen hat. Wenn ich beispielsweise früher sagte, ich arbeite im Krankenhaus, wurde oft angenommen, ich sei Krankenschwester.

An diesem Beispiel wird meiner Meinung nach sehr deutlich, dass wir Schwarze Menschen viel zu selten in Positionen innerhalb Academia, Politik, oder sonstige Positionen der Mitgestaltung auftauchen. Wir müssen in diese Räume rein.

#Dasschaffstduauch – Tag 2

Unsere Vorbilder*in für den heutigen Tag ist Ivon Wandtke-Ossei-Poku , Rechtsanwältin in Hamburg.

„Sei selbstbewusst und lass dich niemals einschüchtern.“.

Interview mit Frau Ivon Wandtke-Ossei-Poku

Stellen Sie sich doch gerne in wenigen Worten vor.

Mein Name ist Ivon Wandtke-Ossei-Poku. Ich bin in Hamburg geboren und aufgewachsen und als Rechtsanwältin aktuell im Bereich Wirtschaftsrecht auch in Hamburg tätig. Studiert habe ich in Hamburg und Paris. Als ich jünger war, war ich ein richtiger Bücherwurm. Ich habe Tag und Nacht gelesen, weil ich mich viel gelangweilt habe. Mein Abi habe ich auf einem humanistischen Gymnasium gemacht, bei dem ein besonderer Schwerpunkt auf Musik gelegt werden konnte. Ich habe mich damals für Cello entschieden. Das steht hier auch noch brav in der Ecke und wartet darauf mal wieder gespielt zu werden (lacht). Meine Lieblingsfächer waren Philosophie, Deutsch, Latein und Psychologie.

Warum haben Sie sich gerade für diesen beruflichen Werdegang entschieden?

Als sich die Frage stellte, was ich nach dem Abi machen möchte, habe ich mich lange sehr schwer getan. Ich konnte mir gut vorstellen Kulturwissenschaften und Sprachen zu studieren. Ebenso fand ich Rechtswissenschaften ein spannendes Gebiet.

Ein Onkel von mir war Richter und der hatte mal gesagt, dass das juristische Grundstudium eigentlich für jeden verpflichtend sein sollte, so dass jeder als mündiger und informierter Bürger über seine Rechte und Pflichten aufgeklärt wäre. Das hat mich beeindruckt und überzeugt. Dazu kam, dass viele sehr bekannte deutsche Schriftsteller Juristen waren. Für mich hieß das zum einen, dass die juristische Ausbildung eine sehr gute sein musste und zum anderen, dass ich mich noch nicht auf – klassisch juristische – Berufe festlegen musste. Hat man aber das zweite Staatsexamen erfolgreich absolviert, hat man sich wirklich viel mit Recht beschäftigt. Die Examina sind sehr anspruchsvoll. Man muss viel lernen und investiert da deutlich mehr Zeit als in die Abschlüsse vieler anderer Studiengänge. Ich hatte am Ende eine Fachkompetenz erlangt, die ich in meinem beruflichen Alltag auch nutzen wollte. Deshalb bin ich nun doch in einem klassisch juristischen Beruf gelandet. Ich habe aber natürlich auch großen Spaß an der Juristerei!

Im Studium lag mein Schwerpunkt im Zivilprozess- und Insolvenzrecht. Während des Referendariats habe ich in verschiedene spannende Bereiche hereingeschnuppert. Ich war z.B. bei der Staatsanwaltschaft und konnte in der Rolle der Staatsanwältin vor Gericht auftreten. Ich habe am Landgericht in einer Spezialkammer für Urheberrecht gearbeitet oder war beim Oberlandesgericht beim Senat, der vor allem für Heilmittelwerbe-, und Wettbewerbsrecht zuständig ist. Nun arbeite ich im Bereich des Insolvenzrechts. Eine für mich interessante Seite der Ausbildung ist, dass diese einen befähigt, mit dem gelernten Handwerkszeug, erfolgreich in den verschiedenen Bereichen des deutschen Rechts zu arbeiten.

Hatten Sie Mentoren auf Ihrem Weg?

Nee, tatsächlich nicht. Ich habe mir aber auch nicht aktiv jemanden gesucht. Ich war schon immer sehr auf mich allein gestellt und habe dadurch eine sehr starke Persönlichkeit und Haltung entwickelt, mit der ich immer alles selbst gestemmt habe. Ich habe bestimmt potentielle Mentor*innen übersehen, die mir manches vielleicht leichter gemacht hätten. Aus heutiger Sicht würde ich aber allen raten, sich Mentor*innen zu suchen, die einen mit Rat und Tat unterstützen können.

Was waren Ihre größten Herausforderungen?

Zum einen waren die Staatsexamina und die Vorbereitung auf diese sehr anspruchsvoll. Es gab aber auch persönliche Herausforderungen, die es mir schwer gemacht haben und mich deshalb geprägt haben. Auf einem der Flure der juristischen Fakultät kamen mir beispielsweise mal zwei Professoren entgegen. Als die mich sahen, meinte der eine zum anderen „Das müssen wir verhindern!“. „Das“ war in dem Fall die Schwarze Frau, die ihnen entgegen kam und ganz offensichtlich Juristin werden wollte. Zu dem Zeitpunkt gab es lediglich noch zwei weitere Schwarze Kommilitonen an der gesamten juristischen Fakultät. Ich fiel also auf. Meine Reaktion war damals, ok, jetzt erst recht! Wenn man mich dazu bringen möchte, von einem Ziel abzulassen, dann muss man es mir eher sehr einfach machen. So ein „Nee, du nicht„, das ich natürlich deutlich mehr als ein Mal in meinem Leben erfahren habe, führt bei mir meistens dazu, dass ich zeige, dass ich mir das nicht gefallen lasse, durchhalte und angreife. Ein anderes Beispiel ist, dass ich von einer Kommilitonin mal bei einer Rückgabe einer Hausarbeit mit großen Augen gefragt wurde, ob ich eigentlich öfter mal rassistische Erfahrungen mache. Meine Note hatte also nicht nur mich verwundert.

Was sind Ihre Ziele – persönlich, wie auch beruflich?

Mein nächstes Ziel ist die nebenberufliche Promotion. Thema wird ein Rechtsvergleich des deutschen und des ghanaischen Rechts sein. Ich liebe das wissenschaftliche Arbeiten, das im beruflichen Alltag in den Hintergrund tritt und freue mich darauf, mich mit dem für mich noch fremden ghanaischen Recht auseinanderzusetzen. Gerne würde ich auch ehrenamtlich eine niedrigschwellige Beratung mit dem Fokus auf Schwarze Menschen in Deutschland initiieren und weitere für diese Idee gewinnen.

Welche drei Tipps würdest du jungen Schwarzen Mädchen mit auf ihren Weg geben?

Sei selbstbewusst und lass dich niemals (!) einschüchtern! Wenn es hart auf hart kommt, muss man sein Recht notfalls auch vor Gericht durchsetzen. Es ist wichtig einzufordern, was einem zusteht. Leider werden wir so manches Mal zunächst nicht ernst genommen. Du wirst immer wieder mal in Situationen kommen, in denen es dir schwerer gemacht wird.

Fang früh mit dem Netzwerken an! Such dir Leute, mit denen du dich auf Augenhöhe austauschen kannst und für den gegenseitigen Support. Am besten auch branchenübergreifend. Das kann sehr bereichernd sein und den Rücken stärken.

Arbeite an deinen Zielen und lass dich weder ablenken noch abbringen! Natürlich müssen die Ziele umsetzbar sein und natürlich sollte man sich Meinungen anderer anhören und darüber nachdenken. Ich möchte aber allen MUT machen, sich nichts einreden zu lassen und die INNERE STÄRKE zu entwickeln, aus einem „Das schaffst du eh nicht, weil…“ ein #DASSCHAFFSTDUAUCH zu machen. Hat bei mir ja auch geklappt!

#Dasschaffstduauch – Tag 1

Unsere Vorbilder*in für den heutigen Tag ist Georgina Fakunmoji , Journalistin und Podcasterin.

„Don’t believe the Hype, nur, weil er so laut und dominant ist.“

Interview mit Frau Georgina Fakunmoju

Können Sie sich in wenigen Worten vorstellen?

Das ist gar nicht so einfach, denn sonst bin ich immer die Person die Fragen stellt, ich bin nämlich Journalistin. Ich bin Georgina, 42 Jahre alt und komme aus Berlin. Mein Vater ist aus Nigeria und meine Mutter weiße Deutsche. Außerdem arbeite ich beim Norddeutschen Rundfunk als Journalistin, bei DAS!, einer Live Talk-Sendung. Zusätzlich habe ich einen Literatur-Podcast, der Name: My POC Bookshelf. Im Podcast stelle ich Autor*Innen of Color aus Deutschland, Afrika und der afrikanischen Diaspora, vor.

Warum haben Sie sich damals für diesen beruflichen Werdegang entschieden?

Ich habe schon immer gerne gelesen. Ich war in der Schule tatsächlich die erste, die lesen konnte. Wenn wir als Klasse die Aufgabe hatten, Geschichten von zwei Seiten zu schreiben, habe ich meistens zehn geschrieben.

Als Kind wollte ich immer Schriftstellerin werden. Später wollte ich Print-Journalistin bei einer Zeitung werden, doch im Laufe der Zeit wurde mir bewusst, dass es noch ganz andere Sparten im Bereich der Medien gibt. Zum Beispiel das Radio, die Online-Arbeit oder das Fernsehen, bei letzterem bin ich dann gelandet.

Was waren denn Ihre größten Herausforderungen auf dem Weg zur TV – Journalistin?

Es waren die Zugänge, ich komme aus einer Familie in der es nicht selbstverständlich ist Journalistin zu werden. Ich bin die erste, die das Abitur gemacht hat in meiner Familie und ich bin immer bei all dem was ich machen wollte hartnäckig gewesen. Ich war gut in dem was ich mache und habe durch mein Grundselbstvertrauen die Dinge die ich tue niemals angezweifelt.

Viele bekommen beispielsweise keine Hochschulempfehlung, weil sie eine Migrationsgeschichte haben, das war bei mir zum Glück nicht der Fall.

Obwohl ich aus einer Hochhaussiedlung komme, bin ich in einer Villengegend in die Schule gegangen. Somit hatte ich eine sehr gute Schulbildung. Die Probleme kamen erst mit der Zeit an der Universität. Dort habe ich ganz schnell festgestellt, dass ich eine der einzigen People of Color war. In mir kamen Fragen auf wie: Wieso sind die anderen People of Color nicht mehr dabei? Weshalb bin ich nur von weißen Menschen umgeben. Von unserem Professor kamen dann auch immer mehr Zuschreibungen. Ich saß mit meiner deutsch-iranischen Freundin in der ersten Reihe des Hörsaals und wir wurden gefragt ob wir Deutsch sprechen können. An der Universität wurden bestimmte Themen nicht angesprochen, bei denen ich wusste das es nicht nur die eine Wahrheit gibt. Was mich unglaublich sauer gemacht hat und mir sehr viel Energie gekostet hat, war das ständige droppen des N-Worts der Dozent*Innen und die permanente Reproduzierung von Rassismen. Und das im Unibetrieb, wo es ja eigentlich heißt hier ist Bildung am Start. Bei all dem trotzdem dran zu bleiben und nicht alles hin zu schmeißen, war die größte Herausforderung.

Eine weitere Herausforderung war das mir Kontakte fehlten und mir somit Zugänge verwehrt blieben. Es öffneten sich mir aber Türen mit Hilfe eines Programms, so wurden meine Talente gesehen und meine Arbeit wertgeschätzt.

Hatten Sie Mentoren?

Meine Mutter war ein großer Teil, in meinem Leben der immer an mich geglaubt hat und versucht hat alles für mich möglich zu machen.

Ein starker Familienzusammenhalt ist sehr wichtig aber auch der Austausch außerhalb der Familie mit Gleichgesinnten. Unter Menschen, die einen verstehen kann Zuspruch gefunden werden. Es ist so schwierig zu sagen vertraue in dich selbst, und du schaffst das alles. Weil es ist erdrückend ist, was da draußen unterwegs ist.

Was mir ebenfalls geholfen hat, ist nach Vorbildern und Hilfen in Büchern und Kinderbüchern zu suchen. Um zu erfahren, dass es viele starke Vorbilder gibt und um eine andere Realität über uns zu erfahren, nicht nur die, die es von weißer Seite über uns gibt.

Wer sind Ihre Vorbilder?

Ich habe so viele Menschen, die mich inspirieren, mit dem was sie machen. Es ist die Connection zwischen den Biografien von Menschen, die an ihre Grenzen gegangen sind oder Sachen geschafft haben, die für sie nicht vorgesehen waren. Ein Vorbild ist für mich auch eine Putzhilfe, wie meine Nachbarin die jeden Tag, dreißig Jahre lang an der Universität geputzt hat. Aus all den Geschichten kann ich eine gewisse Resilienz, eine Widerstandskraft für mich herausziehen, die mir ganz viel gibt.

Welche 3 Tipps würden Sie jungen Schwarzen Mädchen mitgeben?

„Don’t believe the Hype, nur, weil er so laut und dominant ist.“ Damit meine ich glaube nicht alles was dir über uns erzählt wird.

„Bleibe bei der Sache, wenn du weißt was du machen möchtest. Mache es immer wieder, denn dadurch wird wird sich irgendwo eine Tür öffnen.“

„Stärke dich mit Menschen, denn man kann es nicht alleine schaffen, man wird dadurch krank. Wir sind alle in diesem weißen System, also suche dir deinen ride or die circle. Safe Space heißt nicht unbedingt immer, dass es ein „Schwarzer“ Space ist. Fühl da rein, such dir Leute, die dir positive Energie geben und keine negative.